emotionale Dehydration und das stetige Leid mit den Gitarren

Kafka sagte man könne nachmittags gut schreiben. Thomas Mann morgens. Ich glaube momentan, an keins von beiden. Meine Schreibblockade hält an. Das heißt, eine Blockade ist es vielleicht gar nicht, eher innere Unzufriedenheit über mein Geschreibsel. Es klingt nicht rund, nicht griffig, nicht flüssig. Irgendwie langweilig. Vielleicht empfinde nur ich das so, weil ich mir in letzter Zeit einfach zu viel aufgehalst habe. Ich schreibe weiter, aber ich bin nicht zufrieden. Ich weiß nicht wirklich, wo ich hin will. Was mein Ziel ist, welche Absicht ich damit verfolge. Vielleicht sollte ich mich an mein „Kreatives Schreiben Buch“ halten und erst einmal gar nichts machen. Aber wie ich mich kenne, wird das nur schwerlich möglich sein.

Zu einer weiteren Sache, was meine Gitarren anbelangt. Die Kratzer auf meiner babyblauen Fender sind laut Reparaturmenschen nicht mehr weg zu bekommen. Oli hat sie sich angesehen und nur traurig verneint. Es ginge schon, aber bei den Kosten, da kriege ich fast eine neue für das Geld.


 Zum Hergang des Unglücks, denn jede Narbe oder besser gesagt jeder Kratzer auch bei Gitarren hat ja eine Geschichte: Mich hatte es Anfang 2010 schwer erwischt. Das war keine normale Grippe, eher eine Bronchitis, jedenfalls hatte es mich wortwörtlich umgehauen. Ich wollte in mein Zimmer gehen, war auf der Couch eingepennt und auf einmal wird mir speiübel. Das ist das letzte was ich realisiere. Als ich das nächste Mal munter werde, wache ich auf dem Boden auf. Ich war bewusstlos oder besser ohnmächtig geworden. Mein Kreislauf hatte schlapp gemacht.
Glücklicherweise bin ich zu besagtem Zeitpunkt aber noch einigermaßen glücklich gefallen. Außer ein paar blauen Flecken und leicht blutender Nase ist mir nichts passiert. Nur meiner E Gitarre. Die befand sich im Ständer neben mir und wurde dermaßen unsanft umgerissen, dass sie samt Verstärker neben mich auf den Boden glitt, was natürlich Folgen hatte. Und das in Form von unschönen Kratzern, die nun nicht mehr zu rehabilitieren sind. Spielbar ist sie zwar noch, aber es sieht eben nicht mehr sonderlich schön aus und wird mich wohl noch eine Weile daran erinnern.

Beim Stichwort Gitarre sind wir schon gleich beim nächsten Thema:
 Linkshänder und Gitarren. Ich bin auch so ne Expertin. Seit dem Kleinkindalter alles in die linke Floße genommen und seither als Linkshänder verschrien.
Für Rechtshänder ist es das Selbstverständlichste der Welt in den Laden zu gehen und neue Saiten zu kaufen, im Idealfall sogar eine Gitarre. Für mich als Linkshänderin ist das mit stundenlangem Chaos verbunden.
Denn ich spiele mit der linken Hand, greife die Bünde mit der rechten.
Heißt für mich: Die Saiten kommen anders herum drauf, was wiederum bedeutet, dass jeder Kauf einer neuen Gitarre mit dem anschließenden entgegengesetzten dran befestigen ne echte Tortur wird. Man könnte die Gitarren jetzt dementsprechend anfertigen lassen, keine Frage. Nur dazu fehlt mir einfach das nötige Kleingeld.
Mein mittlerweile Freund Flo findet es immer ganz amüsant, wenn ich die liebevoll aufgezogenen Saiten des Gitarrenherstellers, ab mache und für einen Rechtshänder seitenverkehrt anbringe.
(Ich bete inständig dass unsere Kinder später Rechtshänder werden)
Wenn er meine Aria nimmt und ich die Fender stoßen wir uns pausenlos. Ganz logisch, denn da wo er rechts spielt, spiele ich anders herum Gitarre und wenn er links von mir steht, geraten wir unbeabsichtigt aneinander.

Ich gebe aber zu, dass es sicher nicht anders gegangen wäre. Denn mit der linken Hand an den Saiten und mit der Rechten das Plektrum wird vorne und hinten nichts. Hab ich ja alles durch, als ich 14 war. Mein Gitarrenlehrer H. wunderte sich dann nach nem halben Jahr warum ich keine Fortschritte machte. Bis ich dann nach und nach mit der Wahrheit meines Linkshändertums heraus rückte.
Da war ihm dann wohl alles klar. Er bestand darauf, die Saiten anders aufzuziehen. Was muss ich sagen? Es war ein wahres Wunder und funktionierte auf Anhieb. Ein ganz anderes Gefühl. Stellt sich jetzt die Frage: Warum habe ich das nicht von Anfang an gemacht?  
Ganz einfach: Ich wollte einfach auf der Mainstream Welle mit reiten und war damals zu faul meine schöne Gitarre zu verschandeln. Bei manchen Dingen bin ich nämlich ein Mischlinkshänder. Sprich, ich kann diverse Dinge wie backen, manchmal auch schreiben, werfen mit beiden Händen. Und bei Musikinstrumenten war ich wohl ausgegangen, dass es das gleiche Spiel wäre.
 Jedenfalls ging es seither besser. Aber ich hab auch wieder gemerkt, wie eingeschränkt die Welt als Linksflossler doch ist.
Deshalb:Liebe Gene meinerseits. Bitte setzt euch bei eventuellem Nachwuchs später dahingehend nicht durch.
Das Dasein eines Linkshänders ist nämlich eine echte Benachteiligung. Das geht bei ständig anrempelnden Banknachbarn los und hört beim Kuchen backen auf.
  

10.3.11 22:45

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