Familienplanung

Statt eher allgemeinem Gelaber meinerseits folgt heute ein eher privateres Problem oder Diskussionsobjekt, wie man es nehmen mag.

Ein Thema, dass mich derzeit sehr beschäftigt ist meine Zukunftsplanung.

Ich tauschte mich diese Woche ein wenig mit ehemaligen Mitschülern aus der 10. Klasse aus, die mich anschrieben. Es ging ein wenig hin und her, man plauderte über dieses und jenes und irgendwann kamen wir auf das Thema Familienplanung zu sprechen.

Besagte ehemalige Mitschülern ist wie ich fast 22, bereits verheiratet und hat Kinder. Wir verloren mit 16 nach dem Realschulabschluss den Kontakt. Sie zog für ihre Lehre in eine andere Stadt, ich blieb und wechselte aufs Gymnasium, um mein Abitur zu machen. Jetzt nach fünf, sechs Jahren schrieben wir uns einige Nachrichten, tauschten uns aus, was die anderen machten.

Und um es zuzugeben: Ja, ich fiel irgendwo aus allen Wolken, dass ich bis auf wenige die einzige, ohne Kinder und festen Partner war. Die noch ihren Familiennamen trug und sich nicht liiert hatte, denn ungefähr 60, 70 % meiner ehemaligen Mitschüler sind entweder verheiratet oder sie haben Kinder. Im Idealfall auch beides.

Nicht, dass mich das schocken oder unter Druck setzen würde, aber es war für mich eine Art Zeichen, dass da irgendwo noch mehr geht. Hatte ich etwas verpasst? Das fragte ich mich ganz ehrlich, als ich mir ihre Fotos ansah, auf denen sie mit Kindern und Ehemann richtig happy abgebildet war. Und ja, ich überlegte kurzzeitig ob ich Kind und Mann an meiner Stelle und meinem derzeitigen Leben integrieren konnte. Die ernüchternde Antwort lautete nein und vor mir türmte sich eine Vielzahl von bevorstehenden Jahren. Ich hatte mir immer vorgenommen  abzuwarten. Abzuwarten, bis ich ein abgeschlossenes Studium haben würde, zwischenzeitlich ein geeignetes Männchen, danach ein Babyjahr und dann hoffentlich einen Job. Nur als ich das dann sah, türmten sich die mir noch minimal 2/3 maximal 4/5 bevorstehenden Jahre wie eine Ewigkeit.

Ich meine einerseits je früher desto besser. Und wenn es jetzt passieren würde, dann würde ich den Teufel tun, mir das Baby weg machen zu lassen. Schließlich bin ich fast 22 und nicht 12. Aber auf der anderen Seite. Was will ich dem Kind denn bieten? Spaziergänge im Stadtpark, eine lernende Mutter auf dem Spielplatz? Na, das ist ja voll der Bringer. Klar, ist es süß wenn andere Studis ihren Nachwuchs mit in die Uni bringen, wohlmöglich das Baby mit in die Vorlesung schleppen. Dennoch tun mir die Winzlinge leid. Ich meine, eine optimale Atmosphäre ist das jetzt sicher nicht. Wickeln in der Bibliothek, Stillen im Hörsaal.

Und letztendlich bleibt die Grundvoraussetzung ja immer noch ein Mann. Klar, im Zeitalter von Samenbank und künstlicher Befruchtung dürfte auch das kein Thema sein, nur möchte ich das nicht noch einem Kind zumuten ohne Vater aufzuwachsen. Ich hab gesehen, wie mies das bei mir war, mit der Trennung meiner Eltern. Irgendwie fehlt da was. Und das die ganze Zeit. Ich meine, ich hatte wirklich keine unglückliche Kindheit. Von den Folgejahren wollen wir nicht reden, aber meine Kindheit war okay. Nur, auch wenn meine Mutter dahingehend argumentiert, dass man ein Kind auch ohne Mann erziehen kann und dass sie sich bei mir gar nicht vorstellen könnte, was der mir hätte bieten können, sind Männer sicher nicht ohne Grund auf der Welt. Gab ja schließlich auch Eva und Adam.

Natürlich nutzt man die Generation an Verwandten/Eltern immer ein wenig als Paradebeispiel. Meine Mutter war 24 als sie mich bekam und hatte wohlbemerkt ein abgeschlossenes Studium. Meine Tante war 23, samt abgeschlossenem Studium, als sie das erste, zwei Jahre später das zweite Kind bekam.

„ Studium, Kariere, Kind.“

Das predigen Eltern, Informationsblätter, Wandzeitungen, Werbung.

Nur ist es tatsächlich gut, dass alles immer eins a durchzuplanen? Kann man das überhaupt?

Was mich im Endeffekt ein wenig beruhigt hat, allerdings auch nachdenklich stimmte, waren die Worte meiner besten Freundin.

„Sieh dir die Gruppierungen an Schulabschlüssen/Absolventen an Lehrstellen doch mal an. Ist doch logisch, dass die Realschüler anders planen, als ihr Abiturienten. Wenn die mit 16 fertig sind haben die mit 19 ausgelernt. Ihr Studis fangt doch jetzt erst an und habt mit 19/20 erst euren Schulabschluss. Ihr wollt eben mehr, braucht dementsprechend länger. Ist vielleicht auch ein bisschen ne Kopfsache? Ich meine wer schlau ist, kriegt in dieser Gesellschaft erst mit weit über 25 Kinder. Wenn überhaupt. Du weißt doch wie das der Arbeitgeber sieht. Da steht man doch gleich auf der Straße.“

Annas* Worte klangen hart. Im Nachhinein wurden mir ihr Gesagtes aber immer bewusster.

 Ich kam ins Grübeln. Ist es nicht traurig, dass man so denken muss?

Gedanklich fiel mir dazu das Fallbeispiel meiner Uroma ein. Wir gehen dazu in die 30er zurück. Meine Uroma wurde mit 17 schwanger, bekam im gleichen Jahr ihre erste Tochter, 2 Jahre später meinen Opa. Die Menschen arbeiteten auf Höfen, bewirtschafteten Land. Okay, es gab keine Anti Babypille, aber es war seither so geregelt, dass die Frau zu Hause blieb und sich um Familie und Hof kümmerte, der Mann ging arbeiten. Ob man da also mit 17 schwanger wurde und zuvor als Kindermädchen in einer höher gestellten Familie arbeitete oder ob man mit 32 schwanger wurde, spielte da keine große Rolle. Die Prioritäten waren klar geregelt: Haus, Hof, Herd.

Gehe man über 80 Jahre zurück in die Gegenwart, sieht der Sachverhalt ganz anders aus. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Wer nicht leistet, der fliegt. Wie soll man das also anstellen, wenn man  Kinder hat? Nehmen wir also das Paradebeispiel. Jemand hat ausgelernt, wird mit 19 Jahren schwanger und verabschiedet sich danach ordnungsgemäß in den Mutterschutz. Ist im Extremfall noch alleinerziehend, das soll es ja geben.

Das Kind ist da, das Babyjahr steht an, man bekommt mit etwas Glück einen Krippenplatz. Der Chef hat das schon längst spitz bekommen, wittert, dass die sonst so flinke und flexible Frau Huber in Zukunft aufgrund des Nachwuchses gar nicht mehr so flink und flexibel sein wird und wartet nur noch auf eine günstige Gelegenheit zum Zuschnappen. Tada, das Kind wird krank, Frau Hubert fällt aus und der liebe Chef reibt sich die Hände. Zwei Wochen später, nachdem das Kind wieder gesundete und Frau Huber zurück ist, informiert sie der Chef über neue Arbeitszeiten. Er braucht sie angeblich nur noch nachmittags, dann wenn die Kita ebenfalls geschlossen hat, nicht mehr vormittags. Frau Huber kommt in einen Zwiespalt, denn außer der Kita kümmert sie sich allein um die Tochter. Aus Verzweiflung und Ratlosigkeit, kündigt Frau Huber letztendlich von selbst.

Nun steht sie auf der Straße, sucht nach einem neuen Job. Bürokaufleute sucht man wie Sand am Meer.

Doch wird es einen neuen Chef geben, der so flexibel ist? Die Kita schließt im Normalfall ja um 14 Uhr nachmittags. Wohin dann mit dem Nachwuchs? Jemanden zum aufpassen hat sie nicht, da sie allein lebt. Und der neue Vorgesetzte verlangt, dass sie auch nachmittags einspringt.

Letztendlich kann sie nur Stellen in Teilzeit annehmen. Die meisten verlangen aber (wohlwissend, dass eine junge Mutter samt Kind viel zu oft ausfallen könnte), dass sie auch Nachmittags zur Verfügung steht. Sie bekommt Absagen über Absagen, lebt letztendlich von Arbeitslosengeld.

Es mag paradox klingen, aber gebe man bei google einfach Kündigung nach der Elternzeit in die Suchmaschine ein, stößt man auf bis zu 122 000 Ergebnisse.

Ein Link hierzu:

Das Schlüsselwort lautet hier wohl Kinderbetreuung. Kommt mein Nachwuchs unter, kann ich also auch rund um die Uhr arbeiten gehen. Warum also nicht mehr in Kindergärten investieren? Dann wäre allen geholfen. Arbeitgebern, als auch Arbeitnehmern.

Fazit für mich: Totale Verunsicherung, mit der Erkenntnis, dass es den perfekten Zeitpunkt wohl so nicht geben wird.

Ich meine, wir sollten alle Mal an die Konsequenzen denken. Ein Kind ist ein Lebwesen. Stagniert die Fortpflanzung komplett oder auch teilweise würde doch alles zusammen brechen. Dass dies im Interesse der Wirtschaft geschieht kann ich mir nicht vorstellen.

Vielleicht sollte ich das alles auch einfach auf mich zukommen lassen. Im Endeffekt tendiere ich natürlich dahin, meinen Abschluss zu machen und vorerst mein Leben zu genießen. Ich meine, mit Kind wird das wohl im jetzigen Ausmaß nicht möglich sein. Sicher kann man einiges integrieren, aber irgendwo wird man sich wohl vom bisherigen Lebensstil verabschieden.

* Name geändert

10.2.11 13:06

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