der kochende Student

Heute soll es mal um meine Kochkünste gehen. Wie vermutlich 60 % aller Gleichaltrigen bin ich kochtechnisch eine absolute Katastrophe. Zumindest dann, wenn niemand anders für mich kocht und ich allein auf mich angewiesen bin.

Um es kurz und knapp zu sagen: Ich bin nicht zu dick, aber auch nicht zu dünn. Eigentlich genau richtig für meine Körpergröße.

Dennoch komme ich in Sachen Selbstversorgung an warmen Mahlzeiten immer mal an meine Grenzen.

Kurz und knapp: Außer Pommes, Tomatensalat, Milchreis, Kroketten, die im Ofen zu erwärmen sind, Tütensuppen, Suppengemüse, Intermezzo oder zu erhitzenden Baguettes oder Nudeln und Sandwiches habe ich es noch nicht allzu weit gebracht. Man spreche die Dönerbude um die Ecke oder die Sushi Bar nebenan, erst gar nicht an.  Klingt abwechslungsreich, ist es aber auf die Dauer ganz und gar nicht.

Nun mag man Ursachenforschung betreiben, woran es liegen könnte. Einerseits offensichtlich an meiner auftretenden Faulheit, andererseits an mangelndem Interesse.

Bisher war ich immer der Meinung: Für was soll ich mich so lange abrackern und sinnlos Zeit vergeuden, wenn es innerhalb kürzester Zeit in meinem Bauch verschwindet.

Meine Familie, die es vom hören-sagen-sehen vermutlich leid war, dass ich  mich recht einseitig ernähre, sah das ebenfalls anders, weshalb ich zu Weihnachten mein erstes Kochbuch erhielt (die Tatsache, dass ich bereits 21 bin, verschweige ich lieber und ja: Ich hab mich bisher immer vom Hotel Mama beköstigen lassen)

Ich hielt nun also dieses Buch „Der kochende Student“ in den Händen und wusste zunächst gar nicht so recht, was ich damit anfangen sollte.  Sah ja alles total toll aus, auf den Seiten. Fraglich nur, ob ich das genauso hin zaubern könnte.

Um ehrlich zu sein, brach ich zu diesem Zeitpunkt erstmals innerlich zusammen und das Büchlein verschwand in der hintersten  Versenkung, wo es für die nächsten 2 Monate bleiben sollte.

Hielt natürlich nicht lange an und aus reiner Verzweiflung (man höre und staune) wühlte ich die Lektüre wieder hervor, kollabierte im übertragenen Sinne aber ein zweites Mal, als ich die Zutaten sah. Über die Hälfte davon, hatte ich nämlich nicht einmal ansatzweise zur Verfügung.

Nach einer Ewigkeit wurde ich so also erstmals gezwungen mich in mein Auto zu setzen und zum nahe gelegenen Supermarkt zu kurven. Da die nette Autorin prompt vorschlug eine Vielzahl an Produkten auf Vorrat zu hamstern, stand ich kurz darauf mit ungefähr über 20 Produkten an der Kasse und blockierte die gesamte Schlange für insgesamt zehn Minuten.

Nicht ohne zu erfragen, was man denn unter Sautieren verstand mit dem ich nichts anfangen konnte.

Frei nach dem Motto: Es gibt keine blöden Fragen. Nur dumme Antworten (was sich wohl auch in diesem Fall bestätigte)

Nach meinem Mamuteinkauf und der Entscheidung Zimtäpfel auf Rosinentoast, Hähnchen Wraps und Brotsalat mit Tomate auszuprobieren, machte ich mich erstmals ans Werk. Das erste Mal kam ich nach zehn Minuten ins Stocken: Apfel entkernen und in Scheiben schneiden. Klang so einfach, entpuppte sich aber als leichte Sauerei (wie die Küche hinterher aussah möchte ich nicht erwähnen). Im Endeffekt erwies sich das erste Rezept, bis auf diverse Anfangsschwierigkeiten, als recht passabel. Über den Geschmack lässt sich streiten. Meines Erachtens war es essbar.

Zweites Rezept:  Problem: 280 g gegarte Hähnchenbrust würfeln. Wie würfelt man Hähnchenbrust? Ich machte mir das Leben natürlich selbst schwer und dachte an irgendwelche unmöglichen Sachen, obwohl es im Endeffekt super einfach war. Ergebnis: Super lecker, sehr zu empfehlen.

Drittes Experiment: Erwies sich wohl als das einfachste. Relativ schnell zubereitet, wenn auch etwas trocken. Brot samt Salamiwürfeln und Tomaten ist nicht jeder mans Sache.

Nicht ganz einfach, aber keineswegs unmöglich.

Zusammenfassend:

Pro: 

 Man ist stolz, am Ende etwas Eigenes geschaffen zu haben. Man lernt dazu, erweitert Wissen, eignet sich Fähigkeiten an. Die Rezepte sind wahre Exoten und sehr abwechslungsreich. Ein  Genuss für den Gaumen. Positiv zu erwähnen seien auch die Symbole, die den Koch über Preiskategorie und Schwierigkeitsgrad informieren. In der Legende werden ebenfalls einige Zubereitungsarten erklärt. Mit einer Abbildung wird das Gericht anschaulich dargestellt. Lobenswert sind die Alternativen Darstellungen zu erwähnen. Pommes auf natürliche Art, in dem man Kartoffelscheiben klein schneidet. Sicher gesünder, als beim Fastfoodschuppen von nebenan.

 Contra:

 Wie erwähnt: Massiver Zeitverlust. Es dauert ewig. Hinzuzufügen ist auch die Variation an benötigten Lebensmitteln. Nicht jeder Haushalt in Deutschland wird einfach so mal eben Weizen Tortillias und Rosinenbrot oder Kurkuma und Gyros bzw. Lammkeule zur Verfügung haben. Es sei denn, man ist Tim Mälzer und davon kann ich wohl als Student nicht ausgehen. Jedes Mal auf Vorrat zu hamstern, gestaltet sich ebenfalls nicht einfach, denn Lebensmittelverfallsdaten laufen irgendwann ab. Ich weiß nicht, wie es anderen Studenten/Schülern was auch immer geht, aber ich hätte nicht jeden Tag 1 ½ Stunden Zeit, um mich hinter den Herd zu stellen. Das ein oder andere Mal tut es sicher ganz gut, auch wenn man Freunde/Verwandte einlädt, aber jeden Tag wäre das nichts für mich. Es muss manchmal einfach schnell gehen. Öko und selbst zubereitet hin oder her. Auch erscheinen mir einige Rezepte zu exotisch und die Umsetzung viel zu kompliziert. Paellas und Hähnchen Fajitas sind sicher schön. Gehören aber eher zu seltenen Gerichten Und mal ehrlich: Für einen Gyros Spieß, kann ich auch zur nächsten Dönerbude gehen. Da muss ich nicht für 4 Euro Lammfleisch kaufen, wenn ich den Spieß für 2,50 kriege. Bei diversen Rezepten fragt man sich ob Aufwand und Nutzen zusammen passen. Man muss eben sehr aufpassen, dass man für einige Lebensmittel der Rezepte nicht mehr bezahlt, als der Wrap eines bestimmten Schnellimbisses wert ist.

Fazit: Eine nette Alternative zum einseitigen Studentenleben mit viel Fastfood . Grundlegend einfache Rezepte werden gedanklich aufgefrischt. Gut für Menschen, die viel Wert auf gesunde Ernährung legen. Leider ist die Umsetzung in einer schnelllebigen Gesellschaft  nicht immer möglich. Wenn man jemanden mit außergewöhnlichem überraschen möchte, ist man mit einigen Rezepten sicher goldrichtig. Hin und wieder durchaus geeignet. Für den täglichen Gebrauch könnte ich es mir für mich dennoch nicht vorstellen, da es einfach viel zu zeitintensiv ist. Wie erwähnt sollten Aufwand und Nutzen gut abgewogen werden. Es sollte gut überlegt sein, ob man die Pommes für läppische 2,50 fertig an der Imbissbude ersteht, die durch die Fritteuse gelaufen sind und wo man nicht unbedingt weiß, welche Inhaltsstoffe verwendet wurden. Oder ob man  für 3,50 Kartoffeln kauft und die Pommes selbst herstellt. Dafür aber weiß, was man isst (falls die Kartoffeln nicht genmanipuliert wurden)

6.2.11 17:40

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